Weniger Flüge ab Deutschland
Weniger Flüge ab Deutschland, Foto: pixabay

Trotz ursprünglicher Pläne zur Senkung der Luftverkehrssteuer verzichtet die Bundesregierung vorerst auf eine Entlastung. Die finanzielle Lage des Bundes lässt keine Reduzierung zu. Davon betroffen sind nicht nur Flugreisende, sondern auch die Luftfahrtbranche insgesamt. Die wirtschaftlichen Konsequenzen sind deutlich spürbar.

Inhaltsverzeichnis:

Keine Senkung der Steuer laut Regierungskreisen

Laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Regierungskreisen ist aktuell keine Senkung der Luftverkehrssteuer geplant. Hintergrund ist ein fehlender finanzieller Spielraum im Bundeshaushalt. Das Vorhaben war zwar Bestandteil des Koalitionsvertrags von SPD und CDU/CSU, unterlag jedoch dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit.

Ein Verzicht auf die Erhöhung würde den Staat mehrere hundert Millionen Euro kosten. Konkret ist von einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag die Rede, der im Haushalt fehlen würde. Die Ressorts Verkehr sowie Wirtschaft und Energie prüfen derzeit alternative Finanzierungsoptionen. Eine zeitnahe Umsetzung der Steuererleichterung ist jedoch nicht in Sicht.

Ticketpreise nach wie vor hoch

Seit Mai 2024 ist die Luftverkehrssteuer um rund 19 Prozent gestiegen. Sie betrifft alle Passagiere, die von einem deutschen Flughafen aus fliegen. Die Steuer wird von den Airlines eingezogen und an die Fluggäste weitergegeben.

Aktuelle Steuersätze nach Entfernung:

Flugstrecke Steuer (pro Person) vorher Steuer (pro Person) aktuell
Kurzstrecken (≤ 2.500 km) 12,73 Euro 15,53 Euro
Mittelstrecken (≤ 6.000 km) 32,25 Euro 38,72 Euro
Langstrecken (> 6.000 km) 58,06 Euro 70,83 Euro

Diese Preissteigerung war Teil eines Maßnahmenpakets zur Haushaltskonsolidierung infolge eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts. Die Erhöhung belastet die deutsche Luftfahrt zusätzlich – sowohl wirtschaftlich als auch strukturell.

Folgen für die deutsche Luftfahrtbranche

Die deutsche Luftverkehrsindustrie steht zunehmend unter Druck. Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen kritisiert, dass deutsche Flughäfen im europäischen Vergleich stark benachteiligt sind. Ein Abflug aus Deutschland sei bis zu sechsmal teurer als beispielsweise in Spanien. In manchen Ländern wie Griechenland wurde die Luftverkehrssteuer sogar komplett abgeschafft.

Laut einem Gutachten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt sind die Standortkosten in Deutschland zwischen 2019 und 2024 um 38 Prozent gestiegen. Der europäische Durchschnitt lag im selben Zeitraum bei 26 Prozent. Während Länder wie Griechenland, Portugal oder Spanien das Niveau vor der Pandemie bereits übertreffen, liegt Deutschland noch bei 84 Prozent.

Jens Bischof vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft forderte daher im Mai 2025 entweder eine komplette Streichung der Steuer oder zumindest eine Halbierung. Auch eine Beteiligung des Staates an Luftsicherheitskosten wurde gefordert, um Wettbewerbsnachteile zu mindern.

Fluggesellschaften ziehen sich zurück

Die wirtschaftlichen Bedingungen führen dazu, dass Airlines ihr Angebot in Deutschland reduzieren. Ryanair wird sich aus Leipzig/Halle, Dresden sowie teilweise aus Berlin zurückziehen. Ab Sommer 2025 ist der Flughafen Dortmund nicht mehr im Streckennetz enthalten.

Auch Condor reagiert auf steigende Kosten. Die Fluglinie verlegt fünf Flugzeuge ins Ausland – nach Zürich, Wien, Prag, Mailand und Rom. Eurowings plant ebenfalls Kürzungen, insbesondere in Dortmund. Die Zahl der Flugverbindungen sinkt weiter. Laut ADV gibt es heute 190 Strecken weniger als noch vor zehn Jahren.

Rückgang der Verbindungen betrifft:

  • Ryanair: Reduktion am Flughafen Berlin um 20 %
  • Streichung von Zielen: Luxemburg, Brüssel, Chania, Kaunas, Krakau, Riga
  • Dortmund: Keine Flüge mehr ab Sommer 2025
  • Condor: Flugzeuge werden aus Deutschland abgezogen
Ryanair streicht Flüge in Deutschland
Ryanair streicht Flüge in Deutschland, Foto: pixabay

Die Verlagerung von Flugangeboten ins Ausland bedeutet einen erheblichen Wettbewerbsnachteil für deutsche Flughäfen. Damit verbunden ist ein Rückgang an Arbeitsplätzen und ein potenzieller Schaden für die Exportwirtschaft.

Perspektiven bei Entlastung

Eine Senkung der Luftverkehrssteuer könnte verschiedene positive Effekte für Passagiere und Wirtschaft haben. Fachleute und Verbände sehen darin eine Möglichkeit zur Stabilisierung des Luftverkehrsstandorts Deutschland.

Potenzielle Vorteile im Überblick:

  1. Niedrigere Ticketpreise
  2. Mehr Direktverbindungen
  3. Bessere internationale Anbindung
  4. Stärkung des Tourismus
  5. Mehr Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen europäischen Flughäfen
  6. Weniger Abhängigkeit von Drehkreuzen im Ausland

Ob es zu einer Entlastung kommt, bleibt allerdings fraglich. Solange die finanzielle Lage angespannt bleibt, verschiebt sich die Entscheidung auf unbestimmte Zeit.

 Quelle: Reise Reporter