Die deutsche Außenpolitik richtet sich zunehmend nach Asien. Außenminister Johann Wadephul reiste nach Japan, um die Kooperation in Sicherheitsfragen, Wirtschaft und Verteidigung auszubauen. Dabei standen die Beziehungen zu China im Mittelpunkt. Berlin und Tokio wollen gemeinsam mehr Verantwortung übernehmen.
Inhaltsverzeichnis:
- Johann Wadephul in Yokosuka
- Jürgen Hardt über Ukraine und China
- Japan als Premiumpartner
- Unterstützung für die Ukraine
- Geheimschutzabkommen von 2021
- Lehren aus Europa
- Reise nach Indonesien
Johann Wadephul in Yokosuka
Am japanischen Militärstützpunkt Yokosuka sprach Johann Wadephul vor Kriegsschiffen über die zunehmende Dominanz Chinas. Er warf Peking aggressives Verhalten in der Region vor. China reagierte verärgert und warnte vor wachsender Konfrontation. Wadephul betonte, dass Grenzen weltweit nicht mit Gewalt verschoben werden dürfen. Seine Worte zielten besonders auf die Taiwan-Frage.
Taiwan wird seit Jahrzehnten de facto unabhängig regiert, obwohl die Volksrepublik China die Insel als abtrünnige Provinz betrachtet. Eine Wiedervereinigung ist erklärtes Staatsziel Pekings, auch mit militärischen Mitteln. Deutschland bekennt sich zur Ein-China-Politik, unterhält aber enge Wirtschafts- und Forschungsbeziehungen mit Taiwan.
Jürgen Hardt über Ukraine und China
Der CDU-Politiker Jürgen Hardt begleitete den Außenminister in Japan. Er erklärte, dass China trotz offizieller Beteuerungen Russland im Krieg gegen die Ukraine indirekt unterstütze. Berlin wolle daher klare Botschaften an Peking senden.
Am Stützpunkt Yokosuka sind deutsche Soldaten im Rahmen einer multinationalen Mission stationiert. Sie überwachen dort Sanktionen der Vereinten Nationen gegen Nordkorea. Neben Deutschland nehmen auch Frankreich, Großbritannien, die USA und weitere Staaten teil. Wadephul wiederholte mehrfach, dass Deutschland bereit sei, international größere Verantwortung zu tragen.
Japan als Premiumpartner
Für Wadephul ist Japan der wichtigste Partner Deutschlands in Asien. Beide Länder wollen stärker sicherheitspolitisch kooperieren. Auch wirtschaftliche Interessen stehen im Vordergrund.
- Rund ein Dutzend deutscher Wirtschaftsvertreter begleitete die Delegation.
- Arnd Franz, Vorstandsvorsitzender von Mahle, sprach über die Abhängigkeit von China bei seltenen Erden.
- Sein Unternehmen produziert jährlich 8 Millionen Elektromotoren.
Japan bezieht heute nur noch 60 Prozent seiner seltenen Erden aus China, während Deutschland bei 90 Prozent liegt. Japan gilt daher als besser vorbereitet und als Vorbild für Risikomanagement.
Unterstützung für die Ukraine
Tokio hat Kiew seit Beginn des Krieges mit rund 12 Milliarden Euro unterstützt und Sanktionen gegen Russland verhängt. Berlin sieht diese Solidarität als wichtigen Grund für die enge Partnerschaft.
Im Gegensatz dazu wirft Wadephul China vor, die Kriegsmaschinerie Russlands zu unterstützen. Für Deutschland und Japan ist die Straße von Taiwan eine Schlüsselregion. Durch sie verlaufen zentrale Handelsrouten, die für beide Länder strategisch unverzichtbar sind. Wadephul warnte, dass jede Eskalation dort schwerwiegende Folgen für die globale Wirtschaft hätte.
Geheimschutzabkommen von 2021
Seit dem Jahr 2021 tauschen Deutschland und Japan geheimdienstliche Informationen aus. Das soll durch militärische Kooperation verstärkt werden. Deutsche Kriegsschiffe und Eurofighter besuchen regelmäßig japanische Basen. Auch gemeinsame Manöver sind geplant.
- Rheinmetall testet neue autonome Fahrzeuge für japanische Auftraggeber.
- Eine japanische Firma arbeitet an Antriebselementen für den Marschflugkörper Taurus.
- Ein neuer deutscher Attaché in Tokio ist auf Rüstung und Beschaffung spezialisiert.
Beide Länder investieren mehr in Verteidigung und wollen ihre Rüstungsindustrien enger verknüpfen.
Lehren aus Europa
Hardt erinnerte an die Fehler Europas vor dem Angriff Russlands. Warnungen vor einer Invasion seien damals nicht ernst genug genommen worden. Er forderte, diesen Fehler nicht gegenüber China zu wiederholen. Viele in Südostasien sehen die Entwicklungen in der Ukraine als Signal für mögliche Szenarien in Taiwan.
Reise nach Indonesien
Nach dem Aufenthalt in Japan setzt Wadephul seine Reise in Indonesien fort. Das Land gilt als größter muslimischer Staat der Welt und als potenzieller Absatzmarkt. Berlin will mit der sogenannten Derisking-Strategie neue Partner gewinnen und die Abhängigkeit von China verringern.
Quelle: DW